Eine Lesung von Ernst Strouhal - Vier Schwestern
Im Vorfeld eines gemeinsamen Projektes, welches der Wiener Autor und Kulturwissenschaftler Ernst Strouhal (Universität für angewandte Kunst Wien) mit Schüler:innen der 6. und 7. Klassen in diesem Schuljahr gestaltet, fand am Wienerwaldgymnasium eine Lesung aus seinem Buch Vier Schwestern. Fernes Wien, fremde Welt (2022) für interessierte Schüler:innen der Oberstufe statt.
Das Buch beleuchtet biographisch das Leben von vier Schwestern, welche aus der gut situierten Familie Benedikt aus Grinzing stammten. Mit der Herrschaft der Nationalsozialisten endete 1938 ihr gewohntes Leben, als Juden mussten sie fliehen. Das Buch basiert auf zahlreichen Dokumenten und Briefen, die Ernst Strouhal zusammengetragen hat. Die Schwestern lebten in der Migration in unterschiedlichen Städten (New York, Stockholm/Paris, London, Zürich), arbeiteten in unterschiedlichen Berufen (Schriftstellerin, Ärztin, Journalistin, Sozialarbeiterin), hatten unterschiedliche politische Einstellungen und Lebensentwürfe. Gemeinsam war ihnen, dass sie allesamt eine neue Existenz in der Ferne aufbauen mussten, nur eine kehrte nach Wien zurück.
Durch den Vortag wurden die zeithistorischen Horizonte des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive von vier jungen und selbstbewussten Frauen für die Schüler:innen ebenso greifbar wie das Leben von Geflohenen in der Diaspora. Strouhal gelang es, die biographischen Elemente mit den historischen Ereignissen in Wien rund um die NS-Zeit und die Nachkriegszeit zu verknüpfen.
Die Schüler:innen zeigten großes Interesse an Buch und Vortrag, was sich nicht nur durch den gefüllten Saal, sondern auch durch die zahlreichen Fragen an den Autor und die Rückmeldungen zeigte:
Der Vortrag von Herrn Strouhal zu seinem Buch “Vier Schwestern” hat mir sehr gut gefallen. Besonders interessant fand ich, wie die Lebensgeschichten der vier Schwestern miteinander verbunden und dabei gleichzeitig unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden. Herr Strouhal hat den komplexen Inhalt sehr verständlich erklärt, sodass man ihm gut folgen konnte. Ich finde es beeindruckend, wie aufwendig es war, all die Briefe zu sammeln und sie zu einem Buch zusammenzustellen, besonders da das Thema sehr bedeutend ist und zum Nachdenken anregt. Insgesamt ist “Vier Schwestern” ein bewegendes und nachdenklich stimmendes Werk, das lange im Gedächtnis bleibt. (Karo, 7B)
Der Vortrag hat mich besonders beeindruckt, weil Herr Strouhal durch seine lebendige Art und die direkte Einbindung des Publikums eine außergewöhnliche Nähe zu seiner Erzählung geschaffen hat. Vor allem die kunstvolle Dramaturgie seiner Darstellung ließ die Geschichte der drei Schwestern so immersiv wirken, dass man sich förmlich in ihre Lebenswege hineinversetzen konnte. (Thilda , 7B)
Ich fand den Vortrag von Ernst Strouhal wirklich sehr spannend und aufschlussreich. Da wir den Zweiten Weltkrieg bereits im Geschichtsunterricht behandeln, war dieser besondere und persönliche Einblick in die Leben von jungen, jüdischen Frauen in dieser Zeit sehr interessant. Es ist bewundernswert, wie viel Arbeit hinter der aufwendigen Recherche und dem Sammeln von Briefen über so viele Jahre steckt. Zusätzlich zu den ganzen Informationen hat Herr Strouhal seinen Vortrag auch sehr spannend gestaltet und die Geschichte von den vier starken Frauen wurde dadurch besonders lebhaft. Ich fand toll, von den Originalbriefen der Familie Canetti zu hören, dadurch ist die Geschichte des Buchs sehr persönlich und fesselnd. Ich finde “Die Vier Schwestern” ist ein historisch sehr interessantes und bewegendes Buch, also werde ich, auch wegen der Vorlesung von Ernst Strouhal, sein Buch definitiv lesen und weiterempfehlen. (Paula, 7B)
Wir bedanken uns herzlich bei Ernst Strouhal für den gelungenen und interessanten Vortrag und die Mitgestaltung unseres gemeinsamen Projektes. Aus diesem wird eine szenische Lesung unserer Schüler:innen zu einer Bühnenfassung seines Buches hervorgehen, welche im Rahmen der Jahresausstellung aufgeführt wird.