Storytelling mit Ernst Strouhal: Emil. Auf dem Weg durch das kurze 20. Jahrhundert
Im Vorfeld des Storytelling-Seminars am Wienerwaldgymnasium besuchten teilnehmende SchülerInnen der Oberstufe die Präsentation des neuesten Buches von Ernst Strouhal: „Emil. Auf dem Weg durch das kurze 20. Jahrhundert“.
Im ausverkauften Saal gab Strouhal Einblick in seine Arbeitsweise und die Bearbeitung des Nachlasses seines Vaters Emil Huk (1911–1989). Als junger Mann verschrieb sich dieser dem Widerstand gegen den Austrofaschismus und Nationalsozialismus, überlebte Verhaftungen sowie das Exil und wandte sich schließlich spät von der Idee der Diktatur des Proletariats ab. Entstanden ist ein eindringliches zeithistorisches Porträt über den beschwerlichen Weg zur Demokratie. Ernst Strouhal beantwortete die Frage aus dem Publikum, wie Emil aktuelle Entwicklungen betrachten würde: „Trump wäre keine Überraschung für ihn gewesen, genauso wenig wie es Nixon zu seiner Zeit war, auch Putin hätte ihn nicht überrascht. Putin setzt bloß den Zarismus in Russland fort. Um ihn zu verstehen, sollte man die Biographien von Zar Alexander I und die Idee der panslawischen Bewegung (unter russischer Führung) nachlesen. Emil wäre interessiert, wie er es immer war, an der Entwicklung der Frauenbewegung und, das wäre neu für ihn gewesen, an der Verteilung von Ressourcen im Hinblick auf ökologische Entwicklungen. Er würde die grundlegende Veränderung in der Ökonomie durch KI, die vollständige Trennung von Arbeit und Wertschöpfung sehen und somit die Verstärkung von Armut und Reichtum in einer Welt, in der nicht nur die Güterproduktion sondern alle menschlichen Dienstleistungen sukzessive durch Maschinen ersetzt werden.“
Das Buch endet mit einer bemerkenswerten Aufzählung an Dingen, die man von Emil lernen konnte, bis zu: „Dass man vor niemanden Angst haben muss, der einem Angst machen will. Dass es dabei hilft, wenn man viel liest und darüber nachdenkt, und wenn man ein paar Freunde um sich hat, die auch keine Angst haben wollen. Was man nicht von ihm lernen konnte? Darüber zu sprechen, dass man traurig ist, wenn man es ist.“ Der Blick zurück auf die Geschichte seines Vaters ist mit diesen letzten Sätzen in Emil. Auf dem Weg durch das kurze 20. Jahrhundert zugleich eine Perspektive, von der aus SchülerInnen mit eigenen Gedanken anknüpfen können. Wir sind auf diese sehr gespannt und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ernst Strouhal.